Mischkultur:

Imagefilm|| Fotoessay|| Magazin|| Ausstellung||

Kaule e.V. & Kaule Environment Nepal

Foto: Mischkultur

Auftrag

Ein Imagefilm, dreizehn Interviews, Fotoessay, Magazin und Ausstellung visualisieren die kulturübergreifende Projektarbeit der deutsch-nepalischen Vereine ›Kaule e.V.‹ und ›Kaule Environment Nepal‹, die sich im nepalischen Dorf Kaule gemeinschaftlich für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzen.

Der Imagefilm fokussiert das alltägliche Leben einer Landwirtsfamilie. Interviews und Fotoessay zeigen hingegen einen detaillierten Einblick in das Leben im Dorf und in die Arbeit der beiden Vereine, die ihre Aufgabe darin sehen, die Situation der Landwirte zu verbessern, Umdenkprozesse anzustoßen und eine tiefergehende Reflexion und Analyse von Problemen bei den Landwirten zu erzeugen. Ziele sind: eine langfristige, nachhaltige Ertragssteigerung, ein verbesserter Zugang zu Bildung und optimierte Hygienebedingungen. Um dies zu erreichen stellen derzeit vierzig Landwirte auf das System der ›Agroforstwirtschaft‹ um.

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Auftraggeber

Der im Jahr 2007 gegründete Verein ›Kaule e.V.‹ ist benannt nach einem kleinen Dorf mit dem Namen Kaule im nepalischen Mittelland, etwa 25 km nordwestlich von Kathmandu. Der Verein ist mit der Intention gegründet worden, aktiv zur Etablierung von sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltigen Agrarsystemen beizutragen. In diesem Rahmen werden landwirtschaftliche Projekte in Entwicklungsländern gefördert und mit wissenschaftlichen Untersuchungen, Öffentlichkeitsarbeit und Informationsverbreitung begleitet.

In Kaule wird durch den deutschen Verein ein Agroforstprojekt unterstützt. Begonnen wurde das  Projekt mit 15 Familien aus dem Dorf. Die Landwirte gründeten daraufhin die Organisation ›Kaule Environment Nepal‹, die durch den deutschen Verein unterstützt wird und ab 2015 unabhängig von dieser Partnerorganisation agieren wird. Die Vermarktung von Produkten, die Beantragung von Fördermitteln und die weitere Zukunftsplanung wird eigenverantwortlich fortgeführt. Aufgrund der erfolgreichen Vereinsarbeit und des großen Interesses der Landwirte am Agroforstprojekt ist die nepalische Organisation im Jahr 2014 schon auf 40 Mitglieder-Familien angewachsen.

Das aktuelle Projekt in Nepal zielt darauf ab, Familien des Dorfes Kaule am Rande des Kathmandu-Tales bei der Umstellung auf die ökologisch vorteilhafte ›Agroforstwirtschaft‹ zu unterstützen, bei der in Mischkultur einjährige Nutzpflanzen mit mehrjährigen Gehölzen kombiniert werden. Die Förderung besteht sowohl aus Sachmitteln, wie z.B. Setzlingen, als auch aus Schulungen, die Umdenkprozesse anstoßen und so konzipiert sind, dass Wissen selbständig an Nachbarn und umliegende Gemeinden weitergegeben werden kann. Die Vermarktung neuer Anbauprodukte schafft zusätzliche Einnahmequellen, die Investitionen in Bildung und Hygiene ermöglichen und zur Verbesserung der Existenzgrundlage auch bei sich verändernden Umweltbedingungen beitragen.

Imagefilm
Interviews
Fotos
Magazin
Ausstellung

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Auftragsinhalte

Vier DVD’s beinhalten alle Projektinhalte, die von den gemeinnützigen NGO’s frei für Werbezwecke verwendet werden können. Elf verschiedene Cover sorgen für Individualität.

  • Imagefilm, dreizehn Interviews
  • Fotos: Vereinsprojekte, Landwirtschaft, Familienleben, Berufe im Dorf uvm.
  • Fotos: Portrait
  • Fotos: Nepali-Alltagsgegenstände
  • Fotos: Stadt- und Klosterleben
  • Fotos: Making-Of
  • Filmposter
  • Poskarten
  • Produktverpackungen: Chili, Sitzsäcke & Tee
  • Texte, Grafiken uvm. zur Ausstellungsplanung

Foto: Mischkultur

Foto: Mischkultur

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Ausstellung

Eineinhalb Monate Verhandlungen und Reiseplanung. Zweieinhalb Monate Produktion vor Ort in Nepal. Drei Wochen Nachbearbeitung, Ausstellungsplanung und Produktion bis zur finalen Ausstellung am Fachbereich Design. Materialien, Farben, Formen und Gegenständen der Ausstellungskulisse sind von nepalischen Objekten inspiriert und diesen nachempfunden. Hauptmaterialien: altes Holz, Planen, Reissäcke und Wellblech. Installationen: Kiosk, Bushaltestelle, Sitzecke, Zaun, Stall und Ausstellungswände aus Wellblech. Ausstellungsraum: Fachbereich Design der Fachhochschule Münster. Ausstellungszeitraum: drei Tage im Sommer 2014.

Kiosk

Nepalische Häuser sind aus Holz, Lehm, Planen und Wellblech gebaut. Vorhänge schließen die Türen der Häuser. Den Vorhang zur Seite ziehend, können die Ausstellungsbesuch den Kiosk betreten. Der Geruch von Curry umgibt die Getränke und Süßigkeitenautomaten. An den Kioskwänden können Impressionen aus der Stadt Kathmandu und einem nepalischen Kloster betrachtet werden. Stroh und alte Schläuche bedecken den Boden.

Bushaltestelle

Eine nachempfundene Bushaltestelle wird zur Ausstellungsplattform. Im Inneren des Wartebereiches wird der Imagefilm, auf einem hinter importierten Reissäcken verdeckten Monitor, gezeigt. Eingebettet in die Außenseite der Bushaltestelle befinden sich vier Tablets inkl. Kopfhörer für die Darstellung der Interviews mit dem Vorstand, den Landwirten, Volunteeren und dem französischen Käsefarmer Francois. Ein vor der Bushaltestelle installierter Sitzbereich ermöglicht es den Besuchern auf den mit Stroh befüllten, nepalischen Reissäcken Platz zu nehmen.

Zaun

Fotografien dokumentieren die Andersartigkeit von Alltagsgegenständen. Fotografiert vor Ort in Nepal und in Deutschland ausbelichtet und auf Kappaplatten gezogen, sind sie in Reihe an einem drei Meter langen Zaun befestigt. Originalgegenstände wie Schleuder und Sichel ergänzen die Kulisse.

Ausstellungswände

Türkises Wellblech als Hintergrund der Fotoessay greift, befestigt an weißen Holzstählen, Eindrücke aus Nepal auf. Abstandhalter rahmen die Fotografien und heben diese vom Hintergrund ab.
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Team

Lange, heiße und anstrengende Drehtagen liegen hinter uns. Ein gut funktionierendes Team ist dabei das Wertvollste. Dabei  ist entscheidend: Vertrauen, Freude an der Arbeit, effektiver Arbeitsaufteilung und einer abgestimmten Kommunikation mit konstruktiven Diskussionen. Dazu kommen sehr nützliche Eigenschaften wie Ausgeglichenheit, Stressresistenz, Anpassungsfähigkeit, Humor und Verständnis für sein Gegenüber.

Dieses Großprojekt mit einem Mini-Team zu realisieren war eine große Herausforderung. Insgesamt sechs Produktionswochen liegen hinter Friederike Schäfer und mir als Projektleiterinnen. Wobei wir davon zwei Wochen durch Alina Külpmann (Set-Runner) und Tobias Wellmering (Ton) unterstützt wurden.

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Projekt-Dokumentation

Zum Download finden Sie hier die ausführliche, schriftliche Projektdokumentation.

Agroforstwirtschaft

Agroforstwirtschaft bezeichnet ein Produktionssystem, das Elemente der Landwirtschaft mit denen der Forstwirtschaft kombiniert. Sowohl mehrjährige Hölzer als auch einjährige landwirtschaftliche Nutzpflanzen werden auf derselben Fläche integriert. Agroforstwirtschaftliche Systeme werden insbesondere in Gebieten, die natürlicherweise von tropischem Regenwald bewachsen sind, als ökologisch vorteilhaft angesehen.

Sie sind artenreich, stabilisieren den Wasserhaushalt und schützen den Boden vor Erosion. Allerdings ist die Vermarktung der Produkte aufgrund ihrer Vielfalt und der geringen Mengen oftmals schwierig, was die Wirtschaftlichkeit solcher Systeme beeinträchtigt.

Imagefilm

Damai Tamang lebt in Kaule, einem Dorf im Mittelgebirge Nepals. Seine Familie arbeitet mit der NGO ›Kaule Environment Nepal‹ zusammen. Während des Prozesses der Umstellung seiner Landwirtschaft auf das System der ›Agroforstwirtschaft‹, erfährt er neuen Zusammenhalt in seinem Dorf. Der Imagefilm fokussiert das alltägliche Leben einer Landwirtsfamilie. Der Off-Text ergänzt mit detaillierten Einblicken in die Arbeit der beiden Vereine.

Imagefilm Text

Mein Name ist Damai Tamang. Mit meiner Familie lebe ich in Kaule, einem Dorf im Mittelgebirge Nepals. Vor fünf Jahren haben mein Bruder und ich in unserem Dorf eine NGO kennengelernt. Dort lehrten uns unsere Brüder und Schwestesrn von Kaule e.V. Deutschland das System der Agroforstwirtschaft. Heute haben wir unsere eigene NGO: Wir nennen sie Kaule Environment Nepal. Vierzig Landwirtssfamilien engagieren sich hier gemeinsam mit uns für einen besseren Austausch unter uns Landwirten, der Verbesserung von Hygienebedingungen und dem Ausbau einer nachhaltigen Landwirtschaft. Unsere Felder sind jetzt in Mischkulturen angelegt. Verschiedene Bäume und Gräser schützen unsere Terrassen vor Bodenerosion. Der Kardamom meines Bruders wächst im Schatten der Erlen, die Stickstoff im Boden fixieren, und so den Kardamom noch besser wachsen lassen.

In Nepal nennen wir uns untereinander Brüder und Schwestern. Wir glauben  an den Buddhismus und den Hinduismus. Die meisten Bewohner meines Dorfes gehören zur Kaste der Tamang oder Sherpa, dies sind zwei der vielen religiösen Gruppierungen in Nepal. In unserer Kultur ist es üblich, dass wir unserer Frau zur Hochzeit eine rote Glasperlenkette, Armreifen und goldene Ohrringe schenken. Durch das Tragen des geschenkten Schmuckes sehen die anderen Dorfbewohner das unsere Frauen bereits verheiratet sind. Meine Frau heißt Maily Maya. Dank der Umstellung auf das System der Agroforstwirtschaft muss sie heute nur noch kurze Wege gehen, denn das Futtergras für unsere geliebten Tiere wächst nun direkt auf unseren Feldern. Meine Frau liebt es unsere Ziegen und Büffel mit frischem Gras zu füttern, denn sie weiß die köstliche Büffelmilch zu schätzen.

Das Geld, das wir durch den Verkauf unserer Ernte einsparen, investieren wir in die Bildung unserer Kinder, an denen ich merke, dass sich das Leben in Nepal ändert. Meine Söhne und Töchter fahren oft in die Stadt. Ich kann ihnen heute einen viel besseren Zugang zu Bildung ermöglichen als ich ihn hatte. Mein Bruder Ram Bahadur Tamang erzählte mir, dass das Lieblingsfach seines Sohnes Wissenschaft sei. Er liebt ihn davon erzählen zu hören. Das Lieblingsfach meiner Tochter hingegen ist Englisch. Von ihr lerne auch ich Wörter dieser Sprache.

Durch die Zusammenarbeit mit Kaule e.V. nehmen wir selbst in unserem abgelegenen Dorf teil an den Veränderungen in der Welt. Wir sind neugierig auf die Volonteere, die uns einen Einblick in fremde Kulturen ermöglichen. Wir haben nicht viel Geld, aber sind hier sehr glücklich. Das, was wir verdienen, reicht um Reis zu kaufen und unser tägliches ›Dal Bhat‹ für die Familie zuzubereiten. Der Anbau in Mischkulturen hat viele Vorteile, denn wir sind nicht nur von der Ernte eines Nahrungsmittels allein abhängig. Durch den gezielten Anbau und Verkauf von Cash-Crops wie Kiwi, Spargel oder Oliven, können wir auf den Märkten sehr gute Preise erzielen um unser Einkommen zu sichern. Mit meinen Geschwistern tausche ich auch gerne unsere Ernteerträge.

Durch Kaule Environment Nepal bekommen jetzt alle Familien die Chance es der Familie meines Bruders gleich zu tun. Finanziert durch Spenden aus Ländern wie Deutschland konnten Sie sich bereits eine Toilette, einen Fischteich und eine eigene Wasserquelle bauen. Ich tausche mich gerne mit meinen Brüdern und Schwestern über ihre Erfahrungen aus. Für mich war es eine neue Art sich gemeinsam mit den Problemen in der Landwirtschaft wie Wasserknappheit oder Tierbefall auseinanderzusetzen. Der monatliche Austausch stärkt auch unsere Gemeinschaft. Wir sind ein glückliches Volk, doch seit fünf Jahren haben wir durch Kaule e.V. und Kaule Environment Nepal mehr Gründe zum Lachen.

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Die Forellenfarm von Tilak Bahadur Lama (34) liegt weit abgelegen an einem wasserreichen Standort. Drei Männer arbeiten dort für ihn. Er selbst fährt am Wochenende mit seinem Motorrad nach Kathmandu. Dort verkauft er auf zwei Märkten bis zu 20kg Fisch für 1400 Rupien das Kilo.

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Saroj Lama (19) studiert in Kathmandu. Am Wochenende hilft er auf der Farm seiner Eltern. Eine Toilette konnten sie sich bisher nicht leisten (550.745 Rupien). Kaule Environment Nepal unterstützt nun die Familie dabei ihren Hygienestandard zu verbessern. Die Eigenbeteiligung liegt bei 10.000 Rupien.

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Eva Wieners

Projektbetreuung Kaule e.V.

Es ist schwierig Probleme anzugehen, die größer sind als das eigene Leben, wenn ich nicht weiß, was ich meinem Kind am nächsten Morgen zu Essen geben soll.

Nepal ist ein sehr armes Land. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es für die Menschen hier befreiender ist über die enferntere Zukunft zu sprechen. Ich denke deswegen, dass ›Backcasting‹-Prozesse den Menschen in Kaule sehr gut helfen können. ›Backcasting‹ beschreibt ein Gedankenspiel, das wir alltäglich gebrauchen. Dabei wird versucht zu definieren, was wir in der Zukunft erreichen wollen und darüber nachgedacht, was wir heute tun müssen um dorthin zu kommen. Die Dorfbewohner entwickeln mit dieser Methode selbst Lösungsvorschläge, welche die einzig gangbaren sind.

Tilak Bahadur Lama

Landwirt (34) und Vorstand von Kaule Environment Nepal

Wir haben von Eva bereits gelernt wie wir selbst Förderungsanträge für Dorfprojekte schreiben können. Unser aktuelles Projekt ermöglicht es den Mitgliedern unseres Vereines eigene Toiletten und Fischteiche, zur Verbesserung der Hygiene und Ernährungsbedingungen im Dorf, zu bauen

Wenn die Bewohner Kaules zufrieden sind, dann bin ich es auch, weil wir es geschafft haben etwas Gutes für die Landwirte in unserem Dorf zu tun.

Sita Tamang

Übersetzerin

Das größte Problem des Dorfes ist der Mangel an Bildung. Ohne eine gute Bildung ist es kaum möglich eine gute Arbeitsstelle zu finden. Eine wesentliche Besserung ist deswegen, dass monatliche ›Farmers-Meeting‹, bei dem die Landwirte des Dorfes erstmalig zusammen kommen, um gemeinsam über ihre Probleme zu diskutieren und ihre Meinung zu teilen. So etwas gab es zuvor in unserem Dorf noch nicht.

Noor van Gennep

Volunteer in Kaule

Schon die kurze Zeit, die ich hier in Nepal bin, hat meine Art und Weise die Welt zu sehen verändert. Einer der Gründe, warum ich hier bin ist, dass ich erfahren möchte wie es ist auf mich allein gestellt zu sein. Ein bisschen mehr erwachsen werden, dass möchte ich. Zu sehen wie die Menschen an anderen Orten leben ist für mich Teil dieses Prozesses.

Arbeit der Landwirte

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Eine Terrasse wurde umgegraben und der Boden mit Kompost und Kalk versehen. Chili und Olivenbäume sollen hier wachsen. Auch bei der Arbeit trägt Maily Maya (56) ihren traditionellen Heiratsschmuck: Eine mit Pote (Glasperlen) bestückte Kette, Armreifen, ihren goldenen Nasenring und Ohrringe.

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Landwirtschaft ist Frauenarbeit. Warum das so ist können die Männer nicht beantworten. Und so begibt sich Maily Maya (56) auf das Feld um umzugraben, zu säen, zu gießen oder am liebsten zum ernten. Die Kodalo (Hacke) die sie dazu benutzt, hat sie beim Schmied im Dorf für 700 Rupien gekauft.

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Diese Wasserquelle versorgt zwei Familien. Das Wasser ist frisch und sauber, denn es wird von einer der Bergquellen mit einem Schlauch zu den Häusern geleitet. Hier wird Trinkwasser abgefüllt, gespült und geduscht. Um die Felder zu bewässern wird der Schlauch kurzfristig verlängert.

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Tilak B. Tamang (mitte), Vorstandsleiter von Kaule Environment Nepal, besucht die Farm von Ram Bahadur Lama (rechts). Zu Besuch: Damai Tamang (links) der seinem Bruder bei dem Bau seines Fischteiches hilft.

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Hitze, Wassermangel und ein sehr niedriges Einkommen prägen die Monate Januar bis Juni. In diesen Monaten erntet Sanu Maya Lama (50) auf ihren Feldern Kartoffeln, Bohnen, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch, welchen sie später in ihrem Hauseingang in zusammengebundenen Bündeln aufhängen wird.

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Die Häuser der Bewohner Kaules sind aus Stein geformt. Viele der kleineren Ergänzungen wie Ställe hingegen aus Bambus. In diesem Stall leben die Hühner (Kukhuro) einer Farmersfamilie, die auch oft einfach frei herumlaufen, und bei zu viel Unruhe unter den Tragekörben der Farmerinnen verschwinden.

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Diese Hühner haben es gut im Vergleich zu dem Massenhühnerhaus auf drei Etagen nur einen Kilometer entfernt. Sie leben im Einklang mit den anderen Tieren wie den Ziegen (Bakhro), den Wasserbüffeln (Bhainsi) und den Hunden (Kukur). Katzen (Biralo) gibt es hier nur selten zu sehen.

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Viele der Farmerinnen müssen weite Wege hinter sich bringen um das Futtergras für ihre Büffel zu sammeln, doch sie lieben ihre Tiere, denn die Milch die sie geben ist köstlich. Viele Tiere zu halten ist unter den Farmern noch immer ein Zeichen des Wohlstandes, ergänzt durch den Besitz eines Motorrades.

Damai Tamang

Landwirt (52) aus Kaule

Ich gehe gerne zum Kaule Environment Nepal Büro um mit den Volonteeren, die dort wohnen, zu reden oder ihnen ein Paar Worte Nepali beizubringen.

Saijna Tamang

Damais Tochter

Die Arbeit auf dem Hof ist hart und der Mangel an Wasser ein großes Problem für meine Eltern. Der schweren körperlichen Arbeit wegen möchte ich keine Landwirtin werden. Deswegen ist Bildung für mich so wichtig. Sie wird mir einen besseren Lebensstil, durch einen guten Job und gesundes Essen, ermöglichen.

Maily Maya Tamang

Damais Frau (56)

Ich liebe es das frische Gras auf unseren Feldern zu schneiden, denn ich weiß, dass es unseren Büffeln gut tut und ich später ihre köstliche Milch trinken darf.

Familienleben

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Saila Lama (24) und Kitti Lama (22) sind verheiratet. Mit ihrem Kind Batuu-Li (1) leben sie bei seinen Eltern. Batuu-Li schläft tagsüber in einem aufgehängten Bastkorb auf der Veranda. Ein Tuch schützt ihn vor der Sonne, den vielen Fliegen, Blutegeln, Hühnern und den Hunden.

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Laksmi Lama (26) kocht das nepalesische Nationalgericht ›Dal Bhat‹, eine Linsensuppe (Dal) mit Reis (Bhat) und Gemüse der Saison. Das Verbrennen des Holzes an der Feuerstelle hüllt oft den ganzen Raum in eine Rauchwolke. Viele Farmer bereiten hingegen ihren Schwarztee am Biogas-Ofen zu.

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›Nichtsnutz‹ nennt Damai Tamang (52) liebevoll seinen Hund. Den Stolz auf sein Land trägt er mit seiner ›Dhaka Topi‹ nach Außen. Als Teil der Nationalkleidung, wird der in Nepal hergestellte Stoffhut, oft auf Festen verschenkt, wo neben traditionellen Gerichten auch selbst destillierter Raksi getrunken wird.

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Das getrocknete Holz liegt draußen vor dem Haus. Reis, Mais und Kartoffeln lagern im ersten Stock. Rina Lama (21) lebt mit ihrem Mann bei ihren Schwiegereltern. Sie ist schwanger. Für ihre Familie kocht sie gerne. Alina (4) ist eines der Nachbarskinder, die sich in jedem Haus willkommen fühlen dürfen.

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Kitti Lama (22) trägt ihren roten Hochzeitssari, darunter einen langen Unterrock und eine enganliegende Choli (Bluse). Ein Sari ist ein ungenähtes Tuch von sechs Metern Länge und die traditionelle Tracht der nepalesischen Frauen. Eine dekorative Borte schmückt den Sari im Schulter und Fußbereich.

Ram Bahadur Lama

Landwirt (52) aus Kaule

Ich führe ein glückliches Leben in meinem Dorf. Ein Landwirt zu sein erfüllt mich mit Stolz. Zur Erntezeit freue ich mich darauf die Felder zu ernten, auch wenn ich weiß, dass unsere Ernte nicht für lange Zeit reichen wird. Nur wenn ich eine zusätzliche Arbeit finde reicht unser Einkommen für meine Familie.

Gyanendra Lama

Ram Bahadurs Sohn (19)

Ich bin stolz der Sohn einer Landwirtsfamilie zu sein. Durch die Arbeit meiner Eltern führe ich ein glückliches Leben. Deswegen finde ich, dass ihr Beruf in der Gesellschaft viel höher angesehen werden sollte. In der Landwirtschaft in Nepal werden keine Maschinen eingesetzt, deswegen ist die Arbeit sehr hart. In der Zukunft möchte ich daher Technologien entwickeln, die es ermöglichen werden meiner Familie diese harte körperliche Arbeit abzunehmen.

Sanu Maya Lama

Ram Bahadurs Frau (50)

Meine Kinder haben einen viel besseren Zugang zu Bildung, als ich es hatte. Ich hoffe, dass sie eine gute Arbeit bekommen und sich um mich kümmern werden, wenn ich älter werde.

Berufe im Dorf

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Wandernde Händler versorgen die abgelegen wohnenden Farmer mit Waren. Verkauft werden Decken, Geschirr, Waschwannen, Spielzeug und vieles mehr. Getragen werden die Waren in Körben, die mit einer Schnur verbunden sind, und deren Hauptgewicht von Stirn und Nacken gehalten werden.

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Kaule ist ein kleines Dorf im Mittelgebirge Nepals. Die Bewohner leben von der Landwirtschaft, viele sind Selbstversorger. Trotzdem bleibt der Wunsch nach „modernen“ Produkten nicht aus. Besonders beliebt bei den Kleinen sind Pringles, Snickers und CocaCola.

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Reis, Dhal, Nudeln und Zigaretten verkauft Ramila Shrestha (24) am häufigsten. Ihren Shop betreibt sie gemeinsam mit ihrer fünfköpfigen Familie. Zwei mal wöchentlich bekommen sie neue Ware aus Kathmandu, Biratnagar und Mhedaulda. Jährlich bezahlen sie für diesen Lieferservice 20.000 Rupien.

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Zwanzig Gäste bewirtschaftet Purba (25) am Tag. In den Abendstunden ist am meisten los. Sie selbst isst am liebsten Momos (gefüllte Teigtaschen), Thukpa, Chaomin Nudeln, Ei und Tee. Ihre Waren bezieht sie aus Kathmandu und Ranipuwa, aber nur selten aus dem Dorf. Am Tag nimmt sie 1.200 Rupien ein.

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Kania Man Lama (40) schlachtet jeden Tag ein bis zwei Büffel. Die Tiere kauft er in umliegenden Dörfern. Eines der 200kg schweren Tiere kostet ihn 40.000 Rupien. Das Fleisch verkauft er für 260 Rupien/kg im Dorf, in Kathmandu oder exportiert es nach China.

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Das Schmiedehandwerk lernte Maily Biswa Karma (48) von ihrem Mann. Gemeinsam verdienen sie 300 Rupien täglich. Ihre Kunden sind Farmer die Ächzte, Sicheln, Schüppen und Hacken bestellen. In der Zukunft möchte das Paar traditionellen Schmuck produzieren und im Ausland verkaufen.

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Drei Möbel produziert der angestellte Schreiner Krishna Puyal (36) wöchentlich. Am beliebtesten sind Betten und Schränke, die er für 15.000 Rupien das Stück verkauft. Sein Holz kauft er telefonisch in Kathmandu ein: Einen Stamm für 3000 Rupien inklusive Bustransport.

Kaule liegt 25 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Die Busfahrt dauert eine Stunde abhängig von der Beschaffenheit der Straßen. Der Staat zahlt nur wenig Geld für deren Ausbau. Sollten kurzfristige Verbesserungen durchgeführt werden, dann übernachten die Straßenarbeiter bei den Dorfbewohnern.

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Rajendra Khadka ist im höher gelgenen Kakani stationiert. Für eine Gruppenübung ziehen die 48 Polizeimänner auf eine Plattform im Dschungel. Hier heißt es marschieren, sich ohne Taschenlampe im Dunklen zurecht finden und in Zelten schlafen. Durch seine Arbeit war Rajendra bereits öfter in Europa.

Interviews

Bastian van Grunderbeeck

Volunteer in Kaule

Ich schätze die Projektarbeit von ›Kaule e.V.‹ sehr. Die europäischen Vereinsmitglieder arbeiten in Kooperation mit den Landwirten – als Partner – zusammen um gemeinsam für Optimierungen in der Landwirtschaft Sorge zu tragen. Es liegt jedoch in der Verantwortung des nepalesischen Vereins ›Kaule Environment Nepal‹ gemeinsam mit den Dorfbewohnern über zukünftige Projekte zu entscheiden, diese anzugehen und einen Plan zu deren Finanzierung aufzustellen.

Wir gehen regelmäßig zu den Landwirten. Ihre Häuser haben nur wenige Räume, die von allen Familienmitgliedern benutzt werden. Ein Schlafzimmer, eine rauchige Küche, eine simple Feuerstelle zum kochen, keine Toiletten. Nur selten die Gelegenheit technische Geräte zu laden, weil das Stromnetz häufiger zusammen bricht. Und doch trotzdem: glückliche Gesichter.

Sophie Lennartz

Volunteer in Kaule

Ich bin schon lange hier. Es ist ein sehr schönes Gefühl mit den Menschen hier zusammen zu sein, dass habe ich im Westen so noch nie erlebt. Ich denke, dass wir Westler viel egoistischer sind als die Nepalesen. Wir achten viel mehr auf unsere eigenen kleinen Wünsche, als es die Nepalesen tun.

Zu lernen überlegter an Probleme heranzugehen, dass würde den Nepalesen helfen.

Francois Driard

Käsefarmer in Nepal

Farming is not sexy. The people want to be sexy. Life in town is very sexy. So people are moving into town.

 

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Alltagsgegenstände

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Traditioneller Hochzeitsschmuck: rote Kette mit Pote (Glasperlen)

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Kinderschuhe aus Plastik

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Trageriemen für Transportkörbe | Kordel und Reissack

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Deckel eines Schnellkochtopfes

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Schleuder zur Affenbekämpfung

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Sichel

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